Religiöse Feste im Land des Donnerdrachens
Tshechus
Tshechus finden zu Ehren Guru Rinpoches statt.
Es sind religiöse Maskentänze und Rituale, die den Zusehern die Dharma, die buddhistische Lehre, näher bringen, sie vor Unglück bewahren und von allem Bösen befreien sollen. Die Tänze werden alljährlich in den Dzongs abgehalten, meist entweder im Frühjahr oder im Herbst und richten sich nach dem Mondkalender (s.a. "Festkalender" und "Bhutan Touren").

Tshechus bieten auch ein Forum für gesellschaftliche Treffen und soziale Kontakte.
Zu diesem Anlass kommt man daher in bester Kleidung und vollem Ornat.
Institutionalisiert wurden die Tshechus bereits im 17.Jahrhundert vom Shabdrung Ngawang Namgyal.

Ihrer Religion und den damit verbundenen Riten und Festen verdanken die Bhutanesen ihre ungebrochene kulturelle Identität.
Durch die Tänze erfährt auch der einfache Mensch seinen Platz in der Geschichte des Landes. Mönche sowie das Laienpublikum, das sich im Hof des Dzongs versammelt hat, verfolgen daher aufmerksam den Ablauf des Geschehens.
Die Veranstaltungen ziehen sich meist über mehere Tage hin, die grössten und wichtigsten sind das Tshechu in Thimphu und in Paro. 

Thimphu Tshechu im Tashi Chhoe Dzong
Einige der Tänze sollen auf Guru Rinpoche selbst zurückgehen.
Die meisten Tänze wurden jedoch von Pema Lingpa (s. Bumthang) und dem Shabdrung choreographiert.
Der Tanz der Herren der Urnenfelder - Durdag - wurde vom Shabdrung kreiert und ist voller tantrischer Symbolik.
Die Tänzer mit ihren Totenmasken sind die Beschützer der Religion. 
Sie leben auf den acht Urnenfeldern im kosmischen Diagramm des symbolischen Mt. Sumeru und wehren dämonische Einflüsse ab.
Die Gesten der tanzenden Hände sind Mudras und die stampfenden Füsse formen unsichtbare Mandalas.
Die Tänzer unterwerfen symbolisch alle dämonischen Mächte, die ihren Eid auf die tantrische Doktrin gebrochen haben.

Durdag

Tiefe Symbolik zeigt sich auch im Tungam, dem Tanz der furchterregenden Gottheiten.
In einem dramatischen Tanz bekämpfen und töten die Götter mit ihren Phurbas, rituellen Dolchen, einen bösen Geist.
Sie erretten und befreien so die Welt und zeigen den Zusehern Zangtho Pelri, das Paradies Guru Rinpoches.
Tungam
Der Tanz der Ging und Tsholing ist ein Reinigungsritual vor der Ankunft von Guru Rinpoche, der diesen Tanz angeblich selbst einführte, um den Menschen das tantrische Paradies - Zangtho Pelri - vorzuführen.
Die Ging mit ihren Fahnen am Kopf stellen die Gemeinschaft der Helden, Gottheiten und Feen dar, die durch Berühren der Köpfe des Publikums mit ihren Trommelstöcken die bösen Geister vertreiben.
Ging dang Tsholing
Ein unabdingbares Element jedes Tshechus sind die Clowns oder Atsaras. Angeblich gehen sie auf indische Religionsmeister, den Acaryas, zurück.
Sie sind die einzigen Teilnehmer, die öffentlich Schalk und Possen treiben dürfen in einer Gesellschaft, die religiöse Anlässe stets mit grossem Respekt behandelt.

Tshokye Dorji, eine
der 8 Manifestationen von Guru Rinpoche.

Atsara
Den Ausklamg eines Tshechus bilden die acht Manifestationen von Guru Rinpoche,
Guru Tshen Gye genannt.
Bei verschiedenen Ereignissen hatte dieser, dem Glauben nach, verschiedene Erscheinungs-formen angenommen - unter anderem Tshokye Dorji mit grüner Maske und kleinem Donnerkeil, Dorje Droloe mit furchterregender Maske und diamantenem Donnerkeil, Padmasambhava in weisser Maske, Shakya Sengye in einer Buddhamaske und mit einer Bettelschale und schliesslich unter einem Schirm Guru Rinpoche in seiner üblichen Erscheinung, umgeben von Mönchen, die ihm Schutz und Geleit bieten.
Dromchoe
Im Gegensatz zum Tshechu ist ein Dromchoe den Schutzgottheiten der Drukpas (Landesbezirke) gewidmet.
Das bekannteste Dromchoe findet jedes Frühjahr im Punakha Dzong zu Ehren von Mahakala statt. Mahakala, der Schutzgott Punakhas, verhalf dem Glauben nach dem Shabdrung Ngawang Namgyal im 17. Jahrhundert zum Sieg über einfallende Tibeter, die die Herausgabe des Rangjung Kharsapani erzwingen wollten, jenes angeblich selbstentstandenen Bildes von Chenresig, das der Shabdrung bei seiner Flucht aus Tibet mitgenommen hatte (s.a. "Geschichte Bhutans ").

Der Shabdrung, von den übermächtigen Belagerern arg bedrängt, griff damals zu einer List. Er steckte eine grobe Kopie jenes Bildes in die breiten Ärmelaufschläge seines Gho, ging unter den Blicken der Tibeter zum Mo-Fluss und gab vor, das Original ins Wasser zu werfen. Im Glauben an die Vernichtung des Bildes zogen die enttäuschten Tibeter damals ab.

Mit Gesang und Tanz werden jene Ereignisse vor fast 400 Jahren wieder erweckt. Kampfgesänge widerhallen im Hof des Dzongs. Die Pazaps, das traditionelle Militär, voll-ziehen die Marchang-Zeremonie.
Nur die Mitglieder eines bestimmten, im Westen Bhutans beheimateten Clans dürfen die Pazaps und ihre Generäle stellen. Über allem wacht seine Heiligkeit der Je Khenpo, die höchste religiöse Authorität in Bhutan, vergleichbar mit dem Dalai Lama der Gelugpas.

Der Je Khenpo
Pazaps
Lengmag Tanz
Serdang
Am letzten Tag des Dromchoes tanzt jeder Pazap den Lengmag-Tanz vor dem Je Kenpo, dann verlassen sie mit theatralischen Gesten und Säbelrasseln das Dzong über die steilen Eingangstreppen - der Serdang, der zeremonielle Umzug hat begonnen.
Von Mönchen mit den hohen roten Kappen der Drukpa Kagyu und Musikanten begleitet, begibt sich auch der Je Kenpo zum Fluss.
Mit schwarzem Hut und einem Mantel mit dem furchterregenden Kopf von Mahakalam vollzieht er jene Nachahmung der fälschlichen Vernichtung der Bildreliquie durch den Shabdrung anno 1639.
Danach kehren die Pazaps zum Dzong zurück.
Am Fuss der Eingangstreppe werden die Generäle vom Pferd gezogen und im Triumpf die Stufen hinaufgetragen.
Im Hof des Dzongs beschliesst man den Tag mit grossen Siegesfeiern und reichlich frisch vergorenem Alkohol.