Traditionelle Medizin ("Sowa rigpa")
Thangka des Menlha, des Buddhas der Medizin

Heilen, so glaubte man in frühester Zeit, war den Göttern vorbehalten. Erst als ein alter indischer König Grundlagen lehrte, wie Leiden ge-lindert werden können, wurden diese in die heiligen buddhistischen Schriften aufgenommen und verbreitet.
Als der Buddhismus im 7.Jahrhundert nach Tibet kam wurden die Schriften ins Tibetische übersetzt und die damaligen Herrscher be-gannen sich dafür zu interessieren. Im Laufe der Zeit integrierten sich indisch-ayurvedische (Humours), chinesische (yin/yang, Puls) und persische (Unani) medizinische Traditionen zur Tibetischen Medizin.
Bhutan war schon lange als "Men Jong", als Land der Heilpflanzen bekannt, die Verbreitung der traditionellen (tibetischen) Medizin ist
aber vor allem Tenzing Drukey, Arzt und Religionsminister unter dem Shabdrung Ngawang Namgyal im 17.Jahrhundert zu verdanken.

Basis dieser Medizin ist eine ganzheitliche buddhistische Betrachtung:
Körperliche Gesundheit und Geist sind untrennbar verbunden!
Ma-rigpa - die Laster eines unreinen Geistes - sind das Gift und die Wurzeln allen Leidens. Insbesondere:
Dud-chag: Verlangen, Geiz, Eifersucht
Zshe-dang: Hass, Ärger, Arroganz
Ti-mog: Ignoranz, Verblendung

Traditionelle Medizin spielte seit jeher eine wichtige Rolle in Bhutan, so wurde 1967 die erste offizielle Verteilstelle für Medikamente und medizinische Hilfe errichtet, die 30 Jahre später zum "Nationalen Institut für Traditionelle Medizin (NITM)" avancierte und per königlichem Dekret in das Gesundheitssystem des Landes integriert wurde. Daher gibt es in Bhutan in jedem Spital auch eine Abteilung für traditionelle Medizin.

Die Diagnose stützt sich, neben einer persönlichen Aussprache, auf die Unter-suchung der 12 Pulse (mit der Sowa-rigpa Methode können durch Pulsmessungen Erkrankungen jedes Organs festgestellt werden), der Augen, der Zunge und des Urins.

Die therapeutische Behandlung beruht einerseits auf natürlichen Pharmaka, die aus Hunderten von Heilpflanzen, Mineralien und Tierknochen gewonnen werden und in unterschiedlichen Mischungen etwa 300 verschiedene Medikamente ergeben,
andererseits auf
Diät- und Verhaltensvorschriften,
Aderlass (gtar),
Akupunktur mit Goldnadeln (ser-khab),
Heilkräuter- und Wechselbäder (dugs),
medizinische Ölmassagen (byugs-pa),
Heildämpfe u.a.m.